Wenn das Baby nicht kommt – männliche Unfruchtbarkeit und mögliche Lösungen

Dr. Tímea Buzder, Laborleiterin, klinische Embryologin

Der Kinderwunsch ist für viele Paare ein ganz natürlicher Wunsch, doch es kann vorkommen, dass das lang ersehnte Kind nicht kommt. Wenn nach einem Jahr regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt, lohnt es sich, einen Facharzt aufzusuchen. In diesem Fall wird eine parallele Untersuchung beider Partner empfohlen – bei Männern wird diese von einem Andrologen durchgeführt.

Männliche Unfruchtbarkeit ist keine Seltenheit

In etwa der Hälfte aller Fälle liegt die Ursache für die Unfruchtbarkeit beim Mann. Anhand der Untersuchung der Spermienparameter – wie beispielsweise Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien – sowie Funktionsuntersuchungen (z. B. DNA-Fragmentierung) lässt sich im Rahmen der Fruchtbarkeitsuntersuchung entscheiden, welches Verfahren der assistierten Reproduktion sinnvoll ist.

In leichteren Fällen: Insemination

Wenn die Spermienparameter nur leichte oder mäßige Abweichungen aufweisen, kann die Insemination der erste Schritt sein. Dies ist ein relativ einfacher Eingriff, bei dem der Gynäkologe oder Fertilitätsspezialist nach einer leichten Stimulation der Eierstöcke die aufbereitete Samenprobe direkt in die Gebärmutterhöhle einbringt. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Spermien die Eizelle erreichen und eine Befruchtung stattfindet.

In komplexeren Fällen: IVF und ICSI

Wenn mehrere Inseminationsversuche erfolglos bleiben oder die Spermienparameter mäßige bis schwere Abweichungen aufweisen, wird eine In-vitro-Fertilisation (IVF) empfohlen. Dabei befruchten Embryologen die Eizellen unter Laborbedingungen.

Es gibt zwei Hauptmethoden:

• Konventionelle IVF

ein natürlicheres Verfahren, bei dem die konzentrierte Samenprobe des Mannes direkt auf die Eizellen getropft wird und die Spermien die Befruchtung vornehmen.

ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion)

Dabei wird ein einzelnes Spermium mithilfe einer Mikromanipulationstechnik direkt in die Eizelle eingebracht. ICSI wird insbesondere dann empfohlen, wenn die männliche Unfruchtbarkeit schwerwiegend ist – beispielsweise bei sehr geringer Spermienzahl oder schlechter Spermienqualität.

Spermieneinfrieren – Sicherheitsreserve

Wenn bei der Untersuchung nur wenige Spermien gefunden werden, besteht die Möglichkeit, die Probe einzufrieren. Diese kann später, sogar noch Jahre später, zur Befruchtung verwendet werden. Dies kann beispielsweise vor onkologischen Behandlungen, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, besonders wichtig sein.

Chirurgische Spermiengewinnung – wenn keine Spermien im Ejakulat vorhanden sind

Es kann vorkommen, dass in der Ejakulatprobe überhaupt keine Spermien zu finden sind. In diesem Fall können Spermien chirurgisch aus dem Hoden (TESE) oder dem Nebenhoden (MESA) gewonnen werden. Der Eingriff wird von einem Andrologen durchgeführt, die Probe wird nach der Aufbereitung von Embryologen untersucht. Wenn in der Probe Spermien von ausreichender Qualität gefunden werden, können diese für eine spätere Verwendung eingefroren werden. Die chirurgische Spermiengewinnung kann auch synchron erfolgen: Die hormonelle Vorbereitung der Partnerin und die Eizellentnahme finden zeitgleich mit der Operation des Mannes statt.

Spendersamen – wenn es keine andere Möglichkeit gibt

Wenn die eigene Samenprobe des Mannes nicht zur Befruchtung geeignet ist – beispielsweise weil sie keine lebensfähigen Spermien enthält oder trotz mehrerer Versuche kein implantierbarer Embryo entsteht –, kann auch die Verwendung von Spendersamen in Betracht gezogen werden. In Ungarn ist die Spende streng geregelt, erfolgt anonym und wird nur empfohlen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Was passiert, wenn am Tag der Befruchtung keine Probe vorliegt?

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der männliche Partner am Tag der Befruchtung keine Spermaprobe abgeben kann oder dass die Probe keine lebensfähigen Spermien enthält. In diesem Fall kommt das Einfrieren der Eizellen in Betracht, doch dies ist ein zeitkritischer Vorgang: Es muss innerhalb von 2–3 Stunden nach der Eizellentnahme erfolgen. Da die Gewinnung von Spermien – beispielsweise durch eine Hodenbiopsie – bis zu 5–6 Stunden dauern kann, ist das Einfrieren der Eizellen in diesem Fall leider nicht realistisch.

Wenn Sie oder Ihr Partner von einem der oben genannten Probleme betroffen sind, zögern Sie nicht, sich an einen Facharzt zu wenden! Andrologische Untersuchungen und Verfahren der assistierten Reproduktion helfen heute vielen Paaren dabei, ihren Traum zu verwirklichen: die Geburt eines gesunden Babys.