Erektionsstörungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Péter Czétány, Facharzt für Urologie

Unter Erektionsstörungen (oder erektiler Dysfunktion, ED) versteht man per Definition eine anhaltende (oder wiederkehrende) Unfähigkeit, eine für eine befriedigende sexuelle Interaktion ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.

Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit; sie tritt bei 52 % der männlichen Bevölkerung im Alter zwischen 40 und 70 Jahren auf und betrifft Schätzungen zufolge derzeit weltweit etwa 320 Millionen Männer.

Zu den zugrunde liegenden Ursachen zählen vor allem Bluthochdruck, Diabetes, das metabolische Syndrom, ischämische Herzerkrankungen, verschiedene hormonelle Störungen (Testosteronmangel, Schilddrüsenerkrankungen), psychiatrische Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen) und neurologische Erkrankungen (Rückenmarksverletzungen, Schlaganfall, Parkinson-Krankheit). Es ist wichtig zu beachten, dass Erektionsstörungen eine der ersten Erscheinungsformen einer möglicherweise symptomfreien Herz-Kreislauf-Erkrankung sein können; daher ist bei Männern über 40 Jahren auch ohne Herz-Kreislauf-Symptome eine kardiologische Untersuchung erforderlich. Darüber hinaus stellen bestimmte Lebensstilfaktoren ein erhebliches Risiko dar: Bewegungsmangel, Rauchen, Drogenkonsum und übermäßiger Alkoholkonsum. Erektionsstörungen können auch mit anderen urologischen Erkrankungen einhergehen, wie beispielsweise der gutartigen Prostatahyperplasie (BPH) und dem chronischen Beckenschmerzsyndrom (CPPS)/chronischer Prostatitis, wobei sich die Symptome gegenseitig verstärken können. Es kann auch nach einer radikalen Operation (Prostatektomie, Zystektomie) oder einer Strahlentherapie bei bösartigen urologischen Erkrankungen (Prostatakrebs, Blasenkrebs) auftreten. Der erste Schritt der Diagnostik ist eine ausführliche Anamnese, die sich auf mögliche Begleiterkrankungen, regelmäßig eingenommene Medikamente, Lebensstilfaktoren, Risikofaktoren (z. B. Alkohol, Rauchen) sowie eventuelle weitere sexuelle Symptome (Libido, Orgasmus, Ejakulation) erstrecken muss. Falls erforderlich, kann auch der Partner in die Erhebung der sexuellen Anamnese einbezogen werden. Wichtig ist auch die Angabe zum Vorhandensein bzw. Fehlen morgendlicher Erektionen. Zur Objektivierung der sexuellen Symptome sind verschiedene Fragebögen sehr hilfreich; der am weitesten verbreitete validierte Test ist der Fragebogen „Index of Erectile Function“ (MMM, im englischsprachigen Raum IIEF). Bei Patienten mittleren und höheren Alters ist in der Regel eine organische Ursache für die Beschwerden zu suchen, während bei jungen Menschen häufig psychische Faktoren eine Rolle spielen (z. B. Beziehungsprobleme, Angstzustände usw.).

Als nächster Schritt ist die körperliche Untersuchung unerlässlich; die Untersuchung der äußeren Geschlechtsorgane ist von grundlegender Bedeutung, außerdem lohnt es sich in der Regel, auch auf das vom Patienten vermittelte „Gesamtbild“ zu achten (Vorhandensein sekundärer Geschlechtsmerkmale (Behaarung), Übergewicht usw.).

Unter den Laboruntersuchungen sind die Untersuchung des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels (Nüchternblutzucker, HbA1c, Lipidwerte), Hormonuntersuchungen (vor allem die Messung des Serumtestosteronspiegels, die morgens zwischen 7 und 11 Uhr auf nüchternen Magen erfolgen sollte) sowie weitere ergänzende Untersuchungen (z. B. PRL, LH, TSH, PSA) erforderlich sein.

In seltenen Fällen können auch spezielle Untersuchungen erforderlich sein, wie z. B. eine Duplex-Ultraschalluntersuchung des Penis, Angiographien oder der nächtliche Penistumeszenz- und Rigiditätstest.

Bei der Behandlung ist es von vorrangiger Bedeutung, dass die Patienten fachkundige Hilfe erhalten; es ist ratsam, sich an einen Andrologen/Urologen zu wenden und sich bei der Lösung des Problems nicht auf die unzähligen, oft zweifelhafter Herkunft und häufig ungeprüften „Nahrungsergänzungsmittel“ oder Medikamente zu verlassen, die im Internet erhältlich sind, da diese einerseits eine wirksame medizinische Versorgung verzögern und andererseits sogar gesundheitsschädlich sein können.

Die Behandlungsstrategie muss unter Berücksichtigung der Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen und nach einer ausführlichen Beratung individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass bei einem Testosteronmangel (Hypogonadismus), sofern der Patient keinen Kinderwunsch mehr hat, die adäquate Behandlung in einer Testosteronersatztherapie (in Form von Injektionen/Gel) besteht. Sollte sich bei der Untersuchung des Patienten die Rolle einer psychischen Komponente abzeichnen, wird eine sexpsychologische Beratung empfohlen.

ÁBRA

Die im oberen Teil der Abbildung in einer Reihe aufgeführten Behandlungsmethoden sind gleichwertig; nachdem man sich mit ihnen vertraut gemacht hat, kann man je nach Präferenz des Patienten eine davon auswählen. Die Behandlung mit Stoßwellen niedriger Intensität (Li-ESWL) ist in unserem Land nur begrenzt verfügbar. Sollten diese Behandlungen der ersten und zweiten Wahl erfolglos bleiben, kommt als letzte Möglichkeit die Implantation einer Penisprothese in Betracht. Im Folgenden fasse ich die wesentlichen Informationen zu diesen Methoden zusammen.

Phosphodiesterase-Hemmer (PDE5-I)

Wirkstoffe vom Typ Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE5-I) sind in Form von oral einzunehmenden Medikamenten erhältlich und haben seit der Markteinführung von Viagra im Jahr 1997 die Behandlung der erektilen Dysfunktion revolutioniert. In Ungarn sind derzeit vier Wirkstoffe auf dem Markt: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil.

Diese Medikamente sind sehr wirksam und haben im Grunde nur wenige, leichte Nebenwirkungen (Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Verdauungsstörungen, verstopfte Nase, Schwindel, Rückenschmerzen usw.). Es gibt jedoch einige Erkrankungen, bei denen sie nicht angewendet werden dürfen: Herzinfarkt innerhalb der letzten 3 Monate, Schlaganfall innerhalb der letzten 6 Monate, schwere Herzinsuffizienz (≥NYHA II), instabile Angina pectoris. Darüber hinaus dürfen sie aufgrund des Risikos eines übermäßigen Blutdruckabfalls nicht zusammen mit nitrathaltigen Medikamenten angewendet werden.

Sildenafil ist das am häufigsten verwendete sogenannte „On-Demand“-Medikament (zur gelegentlichen Einnahme). Es ist in Packungsgrößen von 25, 50 bzw. 100 mg auf dem Markt erhältlich und muss etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 50 mg, die je nach Wirkung reduziert oder erhöht werden kann; es sollte stets die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden. Die Resorption des Medikaments kann durch fettige Speisen beeinträchtigt werden.

Tadalafil ist das sogenannte „Wochenend-Medikament“, da damit eine extrem lange Wirkdauer von bis zu 24–36 Stunden erreicht werden kann. Dieses Präparat ist in Dosierungen von 5, 10 bzw. 20 mg erhältlich und muss mindestens eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden; seine Resorption wird durch Mahlzeiten weniger beeinflusst. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 10 mg, die je nach Wirkung reduziert oder erhöht werden kann; auch hier ist stets die niedrigste wirksame Dosis anzuwenden. Bei einer Anwendung von mindestens zweimal pro Woche oder wenn neben den Beschwerden auch eine Prostatavergrößerung und Harnwegsbeschwerden (BPH/LUTS) vorliegen, ist eine tägliche Dosierung (in einer Dosis von 5 mg) in Betracht zu ziehen.

Von den beiden anderen, seltener verwendeten Wirkstoffen hat Vardenafil (5, 10, 20 mg) den Vorteil, dass es auch in einer im Mund zerfallenden Formulierung erhältlich ist und seine Wirkung schneller einsetzt als bei den beiden zuvor genannten Wirkstoffen. Avanafil (50, 100, 200 mg) ist der am schnellsten wirkende PDE5-Hemmer und kann seine maximale Wirksamkeit bereits innerhalb von 20 Minuten erreichen.

Injektionsbehandlung des Schwellkörpers

Bei der Anwendung wird eine Substanz namens Prostaglandin (PGE1-Analogon, Alprostadil) direkt in den Schwellkörper injiziert. Die wirksame Dosis muss titriert werden. Danach kann der Patient die Behandlung selbstständig durchführen. Die Injektion muss nach Desinfektion des Penis an dessen seitlicher Seite gemäß den ärztlichen Anweisungen verabreicht werden. Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb von 15 Minuten ein. Der Vorteil dieser Behandlung besteht darin, dass sie auch bei Unwirksamkeit von PDE5-Hemmern wirksam sein kann und dass sie auch bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko sicher ist. Nachteile sind die größere Invasivität, die bei Patienten auf Ablehnung stoßen kann, sowie Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Blutergüsse, selten Priapismus (eine über 4 Stunden anhaltende Erektion) und langfristig möglicherweise Fibrose.

Vakuumgerät

Auch als „Penispumpe“ bekannt, besteht es aus einer Kunststoffhülse und einem Silikonring. In der Kunststoffhülse kann durch Abpumpen der Luft ein Vakuum erzeugt werden, das eine Durchblutung der Schwellkörper bewirkt; anschließend wird der Silikonring über die Peniswurzel geschoben, um die Erektion aufrechtzuerhalten. Sie kann bei älteren Patienten mit zahlreichen Begleiterkrankungen nützlich sein, die nur gelegentlich sexuell aktiv sind und bei denen andere therapeutische Möglichkeiten aufgrund von Kontraindikationen (PDE5-Hemmer) oder mangelnder manueller Geschicklichkeit (z. B. Injektion) nicht in Frage kommen.

Penisprothesen

Sollte aus irgendeinem Grund keine der zuvor genannten Alternativen für den Patienten in Frage kommen (schwerer Diabetes/Gefäßerkrankung, Rückenmarksverletzung, frühere onkologische Operation (z. B. radikale Prostatektomie) usw.), kommt als letzte Möglichkeit die Implantation einer Penisprothese in Betracht. Die hier verwendeten Prothesen sind in unserem Land derzeit leider nur im Rahmen der privaten Gesundheitsversorgung erhältlich.

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Es gibt zwei grundlegende Typen:

• Sogenannte semirigide Prothese

• Mehrteilige, sogenannte hydraulische Prothese

Bei der semirigiden Penisprothese wird jeweils ein versteifter Silikonstab in die Schwellkörper eingesetzt. Vorteilhaft ist, dass die Operation technisch einfacher und kürzer ist, das Implantat selbst kostengünstiger und weniger störanfällig ist; als Nachteil ist eine weniger natürlich wirkende Erektion zu nennen (der Penis befindet sich in einem ständig steifen Zustand und kann durch manuelles Begradigen „aktiviert“ werden).

Hydraulische Penisprothesen bestehen in der Regel aus drei Teilen:

  1. 2 aufblasbare „Zylinder“ (Cylinder)
  2. Pumpe
  3. Flüssigkeitsreservoir (Reservoir)

Die aufblasbaren Implantate werden in die Schwellkörper implantiert; mithilfe der Pumpe können wir sie mit der Flüssigkeit aus dem Reservoir füllen bzw. diese wieder in das Reservoir zurückpumpen, um sie in einen steifen bzw. schlaffen Zustand zu versetzen. Die Pumpe wird diskret in den Hodensack implantiert, der Flüssigkeitsbehälter hingegen oberhalb des Schambeins hinter bzw. in die Bauchdecke.

Die durch die hydraulische Prothese erzielte Wirkung kommt einer natürlichen Erektion am nächsten; ihre Anwendung ist leicht zu erlernen und stellt für die Patienten eine komfortable Lösung dar. Nachteile sind die höheren Kosten, die Notwendigkeit einer komplexeren Operationstechnik sowie die höhere Ausfallrate aufgrund des komplexeren, aus mehreren Bauteilen bestehenden Systems.