Anna Juhász, Doktorandin der Psychologie
Im Zusammenhang mit der Bewältigung besonders schwieriger Situationen wird sowohl unter Laien als auch unter Fachleuten oft behauptet, dass Männer solche Situationen in der Regel meiden, während Frauen die auftretenden Probleme durch das offene Zeigen ihrer Gefühle „angehen“. Versuche, die Unterschiede zwischen der Gefühlswelt von Männern und Frauen zu definieren, gab es in den einzelnen Gesellschaften schon seit frühester Zeit. In der auf Autorität basierenden Gesellschaft des Mittelalters, in der der Familienvorstand (also der Mann) das Sagen hatte, wurden sowohl von Frauen als auch von Männern bestimmte Verhaltensweisen erwartet. Den Männern kam die Rolle der „stabilen Eiche“ zu, die Schutz und Sicherheit bot, gleichzeitig aber den Ausdruck echter Gefühle zurückhielt. Die Frauen hingegen, die zentralen „Figuren“ der Ritterdichtung, verkörperten die unterstützende, gehorsame und emotionalere Seite.
Die Auswirkungen dieser tief in der Kultur verwurzelten Geschlechterrollen sind auch heute noch häufig zu beobachten. Auch bei der Frage der erschwerten Familiengründung taucht dies häufig auf: Es scheint, dass Frauen die Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle viel intensiver erleben, während Männer sich gerne zurückziehen, distanzieren und lieber anderen ablenkenden Aktivitäten (z. B. noch mehr Arbeit, Sport) nachgehen. Ähnliche Feststellungen können zum einen aus persönlichen Erfahrungen, zum anderen aber auch aus dem Bedürfnis nach Verständnis resultieren, da wir uns im letzteren Fall durch die Schaffung von Kategorien und Typen (z. B. annähernd-vermeidend) die Informationsverarbeitung erleichtern und die Situation für uns selbst klarer verstehen.
Psychologische Untersuchungen unter Paaren, die mit einer Kinderwunschbehandlung konfrontiert sind, zeigen eindeutig, dass bestimmte emotionale und affektive Störungen (typischerweise depressive und Angststörungen) bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern. Depressionen können bei bis zu 40 % der betroffenen Frauen auftreten, während sie bei den betroffenen Männern bei bis zu 23 % auftreten können. Es gibt also einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, doch unabhängig davon ist die psychische Gesundheit beider Gruppen bemerkenswert, denn vergleicht man die Werte mit denen der gesunden Gruppe, so zeigt sich, dass depressive Symptome bei Männern mit Schwierigkeiten bei der Familiengründung bis zu siebenmal, bei Frauen sogar bis zu zehnmal häufiger auftreten können. Die emotionale Belastung durch Unfruchtbarkeit ist also sowohl bei Frauen als auch bei Männern außerordentlich hoch. Es können sich erhebliche Unterschiede – sowohl zwischen den Geschlechtern als auch innerhalb der Geschlechter – in der Art und Weise zeigen, wie diese Belastungen bewältigt werden, d. h. in der Emotionsregulation und der Bewältigungsstrategie.
Der Dirigent unserer Gefühle
Das Zentrum der Emotionsregulation (der Steuerung und Kanalisierung unserer Gefühle) befindet sich im Gehirn. Es besteht großes wissenschaftliches Interesse an der Frage, inwieweit Verhaltensunterschiede zwischen Frauen und Männern auf das biologische Geschlecht zurückzuführen sind, also darauf, dass wir Frauen und Männer sind.
Was das biologische Geschlecht betrifft, so gibt es drei Zugänge zur Funktionsweise unseres Gehirns.
Einer davon ist der hormonelle Zugang, der beispielsweise über Fortpflanzungshormone (z. B. Testosteron) auf das Sexualverhalten und den Ausdruck von Aggression einwirkt. Über die Zusammenhänge zwischen Hormonen und emotionalen Stimmungen verfügen wir bei Frauen über ein umfangreicheres Informationsspektrum. Denn depressive Symptome, die vor der Menstruation und nach der Geburt auftreten, lassen sich eindeutig mit bestimmten, von den Eierstöcken produzierten Hormonen in Verbindung bringen, wodurch Frauen anfälliger für bestimmte psychische Beschwerden werden.
Die Genetik prägt die Gehirnaktivität durch das Vorhandensein der X- (weiblichen) und Y- (männlichen) Chromosomen. Bei Männern findet sich beispielsweise ein Gen, dessen genetische „Anweisungen“ die Entwicklung der Hoden und die Testosteronproduktion steuern sowie die Reaktion des Nervensystems auf Stress beeinflussen. In diesem Sinne beginnt also bereits auf der Ebene der Chromosomen die Regulierung dessen, wie wir später in einer belastenden Lebenssituation emotional bestehen können.
Das Öffnen der hormonellen und genetischen „Türen“ und damit deren Einfluss ist meist ein Prozess, der sich unserer Kontrolle entzieht. Neben unseren von Geburt an festgelegten Eigenschaften gibt es jedoch noch andere Faktoren, die bestimmen können, wie unsere Stimmung ist, wie wir auf Misserfolge reagieren und welche Bewältigungsstrategien wir anwenden, um damit umzugehen. Denn die Umgebung prägt unsere emotionalen Zustände durch Einflüsse wie solche, die unsere Seele stärken (z. B. persönliche Beziehungen), oder solche, die Stress auslösen (z. B. Schwierigkeiten am Arbeitsplatz), da wir in ständiger Wechselwirkung mit unserer Umgebung stehen. Wie groß die Belastung durch eine erschwerte Familienplanung für eine Frau und einen Mann ist, hängt zum einen davon ab, wie unerwartet die Diagnose für sie kommt, welche Erfahrungen sie mit der Reihe von Untersuchungen und Behandlungen machen und welche unterstützenden Aktivitäten oder Menschen sie umgeben. Zum anderen hängt es davon ab, wie das „biologische Paket“ der Betroffenen aussieht, da beispielsweise auch die Funktionsweise eines zentralen hormonellen Systems unseres Körpers, das die Stressreaktion reguliert, geschlechtsspezifische Unterschiede aufweist. Denn die Rolle der Fortpflanzungshormone, die die Auslöser für die Stressreaktion dieses Systems steuern, ist je nach Geschlecht unterschiedlich.
Ist es wichtig, wer von uns beiden der emotionalere Partner ist oder wer eher dazu neigt, Problemen aus dem Weg zu gehen?
Die Antwort darauf lautet: Nein. Das Wichtigste ist, dass ein Paar – unabhängig davon, woher die Fruchtbarkeitsprobleme stammen – den durch diese Lebenssituation verursachten Stress gemeinsam bewältigt. Wenn möglich, mit möglichst viel gegenseitigem Verständnis und Kommunikation, damit wir gemeinsam die Schwierigkeiten der Untersuchungen und Behandlungen – sowie Einflüsse aus dem Umfeld – bewältigen können. Denn auf diese „Gemeinschaft“ haben wir Einfluss.
Das Bewusstsein für die reproduktive Gesundheit von Männern – was können wir tun, um das Beste aus uns herauszuholen? – EB cikk
Was wissen wir bisher?
Heute hat jedes fünfte Paar in unserem Land mit Problemen bei der Familienplanung oder mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand können in mehr als der Hälfte der Fälle auch Ursachen auf Seiten des Mannes vorliegen (der sogenannte männliche Faktor). Früher war allgemein bekannt, dass Männer ihre Fruchtbarkeit bis zum Ende ihres Lebens unverändert beibehalten, doch das ist – wie wir heute wissen – bei weitem nicht wahr. Auch bei Männern spielt das Alter entgegen früheren Annahmen sehr wohl eine Rolle. Neuesten Forschungen zufolge zeigen bei Männern über 40 Jahren sowohl die quantitativen als auch die qualitativen und funktionellen Parameter der Spermien eine Verschlechterungstendenz, und neben dem Rückgang der Fruchtbarkeit im klassischen Sinne gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass bei ihren Nachkommen bestimmte Krankheiten häufiger auftreten, vor allem neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Das Alter über 40 Jahre wird von der WHO bereits als Risikofaktor offiziell definiert, und zwar als APA (Advanced Paternal Age) oder fortgeschrittenes väterliches Alter. Es ist ein besorgniserregender Trend, dass sich die Spermienparameter von Männern in den letzten Jahrzehnten zunehmend verschlechtern. Unser karriere- und leistungsorientiertes Leben, der ständige Stress sowie unsere Bewegungs-, Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten und die Verschiebung des Kinderwunsches nach späterem Alter – all dies kann sich auf die Fruchtbarkeit von Männern auswirken. Denn die Biologie kann mit unseren veränderten Lebensweisen und Gewohnheiten nicht in diesem Tempo Schritt halten.
Was wissen wir bisher?
Heute hat jedes fünfte Paar in unserem Land mit Problemen bei der Familienplanung oder mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand können in mehr als der Hälfte der Fälle auch Ursachen auf Seiten des Mannes vorliegen (der sogenannte männliche Faktor). Früher war allgemein bekannt, dass Männer ihre Fruchtbarkeit bis zum Ende ihres Lebens unverändert beibehalten, doch das ist – wie wir heute wissen – bei weitem nicht wahr. Auch bei Männern spielt das Alter entgegen früheren Annahmen sehr wohl eine Rolle. Neuesten Forschungen zufolge zeigen bei Männern über 40 Jahren sowohl die quantitativen als auch die qualitativen und funktionellen Parameter der Spermien eine Verschlechterungstendenz, und neben dem Rückgang der Fruchtbarkeit im klassischen Sinne gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass bei ihren Nachkommen bestimmte Krankheiten häufiger auftreten, vor allem neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Das Alter über 40 Jahre wird von der WHO bereits als Risikofaktor offiziell definiert, und zwar als APA (Advanced Paternal Age) oder fortgeschrittenes väterliches Alter. Es ist ein besorgniserregender Trend, dass sich die Spermienparameter von Männern in den letzten Jahrzehnten zunehmend verschlechtern. Unser karriere- und leistungsorientiertes Leben, der ständige Stress sowie unsere Bewegungs-, Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten und die Verschiebung des Kinderwunsches nach späterem Alter – all dies kann sich auf die Fruchtbarkeit von Männern auswirken. Denn die Biologie kann mit unseren veränderten Lebensweisen und Gewohnheiten nicht in diesem Tempo Schritt halten.
Was sollte man vermeiden?
Vermeiden Sie Rauchen, übermäßigen und regelmäßigen Alkoholkonsum, Drogen (dazu gehören auch „weiche“ Drogen wie z. B. Marihuana), anabole Steroide und übermäßigen Koffeinkonsum (ich denke hier vor allem an Energy-Drinks). Insbesondere Rauchen verursacht aufgrund der darin enthaltenen ca. 6.000 giftigen Chemikalien nicht selten schwere Fruchtbarkeitsstörungen. Achten wir auch darauf, ein optimales Körpergewicht zu halten; dies lässt sich leicht mit einfachen, im Internet verfügbaren Rechnern (z. B. BMI) berechnen. Die oben genannten schädlichen Freizeitgewohnheiten führen zudem häufig zu Libidoproblemen und einer verminderten sexuellen Leistungsfähigkeit.
Und nun zum Wesentlichen!
Ich sage den Patienten, die zu mir kommen, immer, dass Männergesundheit in der Tat ein „Hype“ ist, nicht nur in jungen Jahren, sondern auch im höheren Alter. Heutzutage sehnt sich jeder nach Statussymbolen, wir wollen so viel wie möglich besitzen (Geld, Autos, Immobilien, Unternehmen, was auch immer), und das ist alles in Ordnung, aber eigentlich besitzen wir nur eine einzige Sache: unseren eigenen Körper. Wenn der kaputtgeht, spielt der Rest eigentlich keine Rolle mehr. Bei den älteren Generationen sehe ich leider oft, dass sie mit zunehmendem Alter immer mehr Dinge einfach mit einer Handbewegung abtun. „Ich bin nicht der Typ, der zum Arzt geht!“ Auf die Frage, was er für seine eigene Gesundheit tut, folgt meist nur Unverständnis. Wie soll er abnehmen, wenn er doch gar nichts isst? Gibt es nicht lieber irgendein Medikament? Ich halte es für wichtig zu betonen, dass die allgemeine Gesundheit und eine befriedigende sexuelle Lebensqualität nicht vom Alter abhängen. Grundsätzlich gehören sowohl zur Pyramide der reproduktiven als auch zur Pyramide der sexuellen Gesundheit drei Grundpfeiler. Die erste ist regelmäßige körperliche Bewegung (mindestens 3 x 1,5 Stunden pro Woche) und ein optimales Körpergewicht, die zweite eine ausgewogene, mediterrane Ernährung (ich empfehle, sich mit der italienischen Küche zu beschäftigen), die dritte ausreichend Schlaf in guter Qualität. Darüber hinaus können wir auch aus Nahrungsergänzungsmitteln wählen, die natürliche Inhaltsstoffe enthalten und von einem kontrollierten Hersteller stammen. Bei der Unfruchtbarkeitsberatung kommt oft die Frage nach Antioxidantien auf; in vielen Fällen beginnen die Patienten bereits Monate vor der Untersuchung mit deren Einnahme, häufig in Kombinationen. Ich halte es für wichtig zu betonen, dass die wissenschaftlichen Belege für eine plötzliche Behandlung mit hohen Antioxidantien-Dosen auf schwachen Beinen stehen, weshalb deren Anwendung nur auf Empfehlung eines Facharztes, für einen begrenzten Zeitraum und unter ärztlicher Aufsicht empfohlen wird!
